Zeitreise #Berlin1936: Tag für Tag „live“ von den Olympischen Sommerspielen

80 Jahre nach den Olympischen Spielen von Berlin erinnern wir Tag für Tag an besondere Ereignisse und Geschichten der „Spiele unterm Hakenkreuz“: vom Start des Fackellaufs am 20. Juli über die offizielle Eröffnung am 1. August bis zur Schlussfeier am 16. August 1936. 3961 Athleten aus 49 Nationen kämpften bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin um die Medaillen.

Das NS-Regime verwandelte die Spiele in ein Propagandaspektakel für Nazi-Deutschland. Von den 125 akkreditierten Pressefotografen waren alle bis auf einen deutsche Staatsbürger. Ausländische Fotojournalisten waren nicht zugelassen. So sind fast alle Fotografien – gewollt oder ungewollt, zensiert oder selbstzensiert – Progagandafotos bzw. Fotos, die zumindest nicht das von den Nazis gewünschte Image in Frage stellten.  Unter diesem Gesichtspunkt sind die 2.000 Fotos, die wir in 60 Dossiers aufbereitet haben, zu sehen.

19. August 1936
Olympisches Dorf wird Infanterieschule

Nur wenige Tage, nachdem die letzten Sportler das Olympische Dorf verlassen haben, wird das Dorf für die Wehrmacht umgebaut. Fortan gilt für Zivilisten „Zugang verboten“. Anfang Dezember 1936 beziehen die ersten Soldaten ihre Quartiere. Aus dem „Dorf des Friedens“ ist die „Infanterieschule Döberitz“ geworden. Dort wo sich kurz zuvor Sportler aus aller Welt auf den friedlichen, sportlichen Wettstreit vorbereitet haben, werden nun deutsche Offiziere auf den längst beschlossenen Krieg vorbereitet. Aus dem Speisehaus der Nationen ist das Standortlazarett geworden und aus der Veranstaltungshalle im Hindenburghaus das Schulungs- und Vorlesungsgebäude. Das Empfangsgebäude wird zum Stabsgebäude umgebaut. Vereinzelt wird das Bauensemble durch Zweckbauten bis 1940 erweitert. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs laufen die Lehrgänge, ehe der Krieg Berlin erreicht und die Rote Armee auch das ehemalige Olympische Dorf einnimmt und selbst als Kaserne nutzt.

 

18. August 1936
Hitler empfängt die Organisatoren und deutschen Medaillengewinner der Spiele

Nach dem Ende der Olympischen Spiele von Berlin empfängt Adolf Hitler die Organisatoren und deutschen Medaillengewinner in der Reichskanzlei. Karl Ritter von Halt überreicht ihm ein Erinnerungsbuch.

 

17. August 1936
Katerstimmung im Olympiastadion am Tag nach der Schlussfeier

16. August 1936
Schlussfeier im Olympiastadion

Nach dem stundenlangen Wettbewerb im Springreiten und den letzten Siegerehrungen beginnt  in Anwesenheit von Adolf Hitler die Schlussfeier im Olympiastadion. Aus dem Tunnel unter dem Marathontor marschieren die Fahnenträger ins Stadion und beziehen Stellung. IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour erklärt die Spiele für beendet. Die Olympische Flagge wird eingeholt und das Olympische Feuer erlischt. Im Kontrast dazu wird es plötzlich hell über dem Olympiastadion. Hitlers Architekt Albert Speer setzt den Spielen ein bombastisches Ende: Zahlreiche Flakscheinwerfer erschaffen einen „Lichtdom“ über dem Olympiastadion – eine makabre Vorwegnahme kommender Bombennächte.

 

16. August 1936
Deutsche Springreiter dominieren den Preis der Nationen

Die letzten beiden Goldmedaillen der Olympischen Spiele werden im Springreiten vergeben. Der Preis der Nationen beginnt um 15 Uhr. Im vollbesetzten Olympiastadion siegt der deutsche Springreiter Kurt Hasse auf „Tora“ im Einzel und die deutsche Equipe im Mannschaftswettbewerb.

 

16. August 1936
Deutsche Vielseitigkeitsreiter gewinnen Gold im Einzel und mit der Mannschaft

Seit dem 13. August wird um die Medaillen in der Vielseitigkeit geritten. Das abschließende Jagdspringen startet am letzten Tag um 10 Uhr. Im Einzel siegt der Schweriner Ludwig Stubbendorff auf „Nurmi“. Wie ein schmerzhaftes Malheur zur Heldengeschichte wird und der NS-Propaganda den Stoff für einen Aufopferungsmythos liefert, zeigt sich in der Mannschaftswertung: Beim gestrigen Geländeritt ist Konrad Freiherr von Wangenheim mit seinem Pferd „Kurfürst“ gestürzt und hat sich das linke Schlüsselbein gebrochen. Trotz der Verletzung ist er wieder auf sein Pferd gestiegen und hat den Ritt beendet. Mit unbeweglichem Arm startet er heute wieder, stürzt erneut und zwingt sich aber den Ritt zu beenden, so dass er die Goldmedaille für die deutsche Mannschaft rettet.

 

15. August 1936
Deutsche Boxer erfolgreich am Finalabend in der Deutschlandhalle

Acht deutsche Boxer sind am 10. August in die Boxwettkämpfe in der Berliner Deutschlandhalle gestartet – in jeder olympischen Gewichtsklasse ein Boxer. Um 20:30 Uhr beginnen in der Berliner Deutschlandhalle die Boxfinalkämpfe in den acht Gewichtklassen. Gleich im ersten Kampf gibt es Gold für Deutschland. In der leichtesten Gewichtsklasse, dem Fliegengewicht, besiegt der Westfale Willy Kaiser den Italiener Gavino Matta nach Punkten und gewinnt damit die erste Goldmedaille für einen deutschen Boxer bei Olympischen Spielen. In der schwersten Gewichtsklasse schließt sich am Ende der Boxnacht der Kreis: Herbert Runge vom Elberfelder Boxclub besiegt den Argentinier Guillermo Lovell nach Punkten und gewinnt auch Gold. Dazwischen erkämpfen sich die deutschen Boxer Michael Murach im Weltergewicht und Richard Vogt im Halbschwergewicht Silber sowie Josef Miner im Federgewicht Bronze. Fünf deutsche Boxer können sich also bei der Siegerehrung am kommenden Tag vor der Schlussfeier im Olympiastadion Medaillen abholen. Damit ist Deutschland die erfolgreichste Boxnation.

 

15. August 1936
Sommerfest der Reichsregierung auf der Pfaueninsel

Am Abend des vorletzten Tags der Olympischen Spiele richtet Propagandaminister Joseph Goebbels im Auftrag der Reichsregierung ein pompöses Sommerfest auf der Pfaueninsel aus. Über 1.000 Prominente sind zu einer „italienischen Nacht“ eingeladen. Zum Abschluss lässt Goebbels ein fast halbstündiges Feuerwerk abbrennen, das viele eher an Artilleriefeuer erinnert. Die Gesamtkosten für die protzige Feier betragen die damals unvorstellbare Summe von 320.000 Reichsmark. Immerhin verliebt sich Goebbels während des Festes in die 21-jährige tschechische Schauspielerin Lída Baarová, die in Begleitung ihres Freundes, dem Schauspieler Gustav Fröhlich, zur Party gekommen ist.

15. August 1936
Italien wird Fußball-Olympiasieger

85.000 Zuschauer wollen das olympische Fußballfinale im Berliner Olympiastadion sehen. Die Mannschaften Italiens und Österreich und das deutsche Schiedsrichtergespann um Peco Bauwens heben die Arme zum Hitlergruß. Um 16 Uhr pfeift der spätere DFB-Präsident das Endspiel an. Nach 90 Minuten steht es 1:1 unentschieden. In der zweiten Minute der Verlängerung erzielt Inter-Spieler Annibale Frossi den Siegtreffer zum 2:1. Er hat in der 70. Spielminute Italien auch schon mit 1:0 in Führung gebracht. Weltmeister Italien ist jetzt auch Olympiasieger, obwohl kein einziger Spieler der WM-Mannschaft von 1934 im Olympiateam spielt.

 

15. August 1936
„Kuss-Attentat“ auf Adolf Hitler im Schwimmstadion

Am vorletzten Tag der Olympischen Spiele in Berlin kommt es im Schwimmstadion zu einem Zwischenfall. Nach zwei ausgetragenen Schwimmwettkämpfen betritt Adolf Hitler mit Gefolge seine Loge. Darauf hat die US-amerikanische Touristin Carla De Vries nur gewartet. Sie ist mit ihrem Mann George auf  Europareise und will in Berlin unbedingt den Führer sehen. Plötzlich ist sie ihm ganz nah. Sie geht auf ihn zu, fotografiert ihn und bittet ihn um ein Autogramm. Dann beugt sie sich über die Balustrade, zieht Hitler ein Stück zu sich heran und küsst ihn auf die Wange. Hitler lacht, während Frau De Vries von einem SS-Mann zurück zu ihrem Platz und Ehemann gebracht wird. Das „Kuss-Attentat“ gibt es auch in bewegten Bildern 15 Sekunden lang auf YouTube zu sehen.

15. August 1936
Indien deklassiert Deutschland im Hockey-Finale

Um 11 Uhr wird im Hockeystadion auf dem Reichssportfeld das olympische Hockeyfinale zwischen Indien und Deutschland angepfiffen. Ursprünglich sollte das Finale einen Tag zuvor stattfinden, musste aber wegen starker Regenfälle verschoben werden. Das indische Team hat alle drei Vorrundenspiele mit einem Torverhältnis von 20:0 und das Halbfinale gegen Frankreich mit 10:0 gewonnen. Erst im Finale schafft es das deutsche Team, ein Tor gegen Indien zu erzielen. Dieser Treffer ist aber nicht mehr als ein Ehrentor, denn das indische Team deklassiert das deutsche mit 8:1. Daran kann auch der Berliner Hockeyspieler Erwin Keller, Begründer der Familien-Hockey-Dynastie Keller, nichts ändern.

 

14. August 1936
Deutschland wird Olympiasieger im Feldhandball

Um 16:50 Uhr wird im Olympiastadion das Finale im Feldhandball angepfiffen. Feldhandball ist nur 1936 in Berlin olympische Disziplin. Gespielt wird über zweimal 30 Minuten auf einem Fußballfeld mit einem 13-Meter-Torraum und einer 14-Meter-Strafwurfmarke. Die beiden ungeschlagenen Teams von Deutschland und Österreich treffen aufeinander. Die deutschen Handballer spielen in weißen Trikots und Hosen. 100.000 Zuschauer verfolgen bei strömendem Regen den 10:6 Sieg der deutschen Auswahl  gegen Österreich.

 

14. August 1936
Adolph Kiefer wird Olympiasieger im 100-Meter-Rückenschwimmen

Bei Regen und kalten Außentemperaturen zwischen 13 und 14 Grad Celsius startet um 16:30 Uhr das Finale über 100 Meter Rücken der Männer. Der US-amerikanische Rückenschwimmer Adolph Kiefer wird auf Bahn 5 mit fast zwei Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzieren Landsmann Al Vande Weghe auf Bahn 4 Olympiasieger. Der Sohn deutscher Auswanderer verbessert im Vorlauf, im Halbfinale und im Finale jeweils den olympischen Rekord. Er ist heute mit 98 Jahren der letzte noch lebende Olympiasieger von 1936.

 

14. August 1936
Deutsche Ruderer dominieren in Grünau

Die Ruderwettkämpfe werden vom 11.-14. August auf der Regattastrecke Grünau ausgetragen. 314 Athleten – nur Männer – aus 24 Nationen kämpfen in sieben Wettbewerben um die Medaillen. In jeder Bootsklasse darf ein Boot pro Land teilnehmen. Die Endläufe finden am letzten Tag nacheinander in der Zeit von 14:30 Uhr bis 18 Uhr statt. Die deutschen Ruderer dominieren und gewinnen in jedem Wettbewerb eine Medaille. 5x Gold, 1x Silber und 1x Bronze lautet die Bilanz. Da die deutschen Ruderer bereits in den Vor- und Zwischenläufen stark waren, ist Hitler an diesem Tag nach Grünau gefahren, um sich mit anderen NS-Politikern und Wehrmachtsoffizieren im Glanz der deutschen Überlegenheit zu sonnen – allerdings bei strömendem Regen und Temperaturen um die 14 Grad Celsius.

 

13. August 1936
NS-Propaganda und Militarismus im Olympiastadion

Mehr als 2.000 Militärmusiker aus 45 Musikkorps verschiedener Heereswaffengattungen der Deutschen Wehrmacht geben im Innenraum des Olympiastadions am späten Abend ein Konzert.

 

13. August 1936
Deutscher Triumph im Dressurreiten

Am Ende des zweitägigen Dressurwettbewerbs auf dem Maifeld stehen zwei Goldmedaillen für Deutschland. Die deutschen Dressurreiter gewinnen die Mannschafts- und Einzelwertung. Alle drei deutschen Teilnehmer reiten in Wehrmachtsuniform. Im Einzel liegen zwei deutsche Dressurreiter vorne: Heinz Pollay auf „Kronos“ siegt vor Friedrich Gerhard auf „Absinth“. 

 

12. August 1936
Deutsche Frauenriege gewinnt Gold im Turnmehrkampf

Am letzten Tag der olympischen Turnwettkämpfe kämpfen acht Frauenriegen im Mannschaftsmehrkampf um den Olympiasieg. Es ist der einzige Turnwettbewerb für Frauen bei diesen olympischen Spielen. Die acht Übungen werden unter freiem Himmel vor 20.000 Zuschauern in der Dietrich-Eckart-Bühne, der heutigen Waldbühne, ausgetragen. Die acht deutschen Turnerinnen Anita Bärwirth, Erna Bürger, Isolde Frölian, Friedl Iby, Gertrud Meyer, Paula Pöhlsen, Julie Schmitt und Käthe Sohnemann erturnen sich die Goldemdaille vor der tschechoslowakischen und der ungarischen Turnriege.

 

12. August 1936
Marjorie Gestring wird jüngste Olympiasiegerin aller Zeiten

Der Wettkampf im Kunstspringen der Frauen vom Drei-Meter-Brett beginnt schon morgens um 8 Uhr im 20 x 20 Meter großen Sprungbecken des olympischen Schwimmstadions. Alle drei Medaillen gehen an Sportlerinnen aus den USA. Marjorie Gestring aus Los Angeles wird im Alter von 13 Jahren und 266 Tagen die jüngste Olympiasiegerin aller Zeiten.

 

11. August 1936
Deutsche Turner mit den meisten Medaillen

Die beiden deutschen Turner Konrad Frey (3/1/2) und Alfred Schwarzmann (3/0/2) gewinnen mit je sechs bzw. fünf Medaillen die meisten Medaillen bei diesen Spielen. Konrad Frey gewinnt Gold mit der Mannschaft, am Barren und am Seitpferd, eine Silbermedaille am Reck sowie Bronze im Einzelmehrkampf und beim Bodenturnen. Alfred Schwarzmann gewinnt Gold im Einzel- und Mannschaftsmehrkampf sowie im Pferdsprung, außerdem Bronze am Barren und am Reck. Insgesamt erringen deutsche Turner sechs Goldmedaillen, eine Silbermedaille und sechs Bronzemedaillen.

 

10. August 1936
Rie Mastenbroek beginnt im Schwimmstadion mit ihrer Medaillensammlung

Die Holländerin Hendrika Mastenbroek, genannt „Rie“, wird zum weiblichen Star im olympischen Schwimmstadion. Um 15 Uhr wird das Finale über 100 Meter Freistil gestartet. Die 17-jährige Rie aus Rotterdam siegt vor der Argentinierin Jeannette Campbell. Als sie aus dem Becken steigt, wird sie von ihrer Trainerin in Empfang genommen. Die 54-jährige wird nur „Ma Braun“ genannt, weil sie die Mutter der Olympiasiegerin von 1928 Marie Braun ist und für alle jungen niederländischen Schwimmerinnen wie eine Mutter ist. In Berlin wird sie außerdem bekannt für ihre extravagante Kleidung am Beckenrand. Die Deutsche Gisela Arendt, Dritte des Kraulfinals, gratuliert der Olympiasiegerin, nachdem sich beide erholt haben und im Bademantel entspannen, bevor es in der offiziellen Mannschaftskleidung zur Siegerehrung geht. Rie Mastenbroek gewinn noch zwei weitere Goldmedaillen über 400 Meter Freistil und mit der 4×100-Meter-Freistilstaffel sowie eine Silbermedaille über 100 Meter Rücken.

 

10. August 1936
Beginn der Boxwettkämpfe in der Deutschlandhalle

Nachmittags beginnen die Boxwettkämpfe in der Deutschlandhalle. Um die insgesamt 172 olympischen Boxwettkämpfe austragen zu können, wird an den ersten drei Tagen in zwei Boxringen gleichzeitig gekämpft. Insgesamt 179 Kämpfer aus 32 Nationen haben das Wiegen überstanden und boxen bis zum 15. August die Medaillen in den sieben Gewichtsklassen vom Federgewicht bis zum Schwergewicht aus. Sofort kommt die Tauschbörse für Eintrittskarten in Schwung – wie vor der Verkaufsstelle im Direktionsgebäude der Deutschen Bank in der Mauerstraße in Berlin-Mitte.

 

10. August 1936
Segel-Gold für Deutschland beim Besuch von Adolf Hitler in Kiel

Einen Tag nach den letzten Leichtathletikwettbewerben in Berlin macht sich Adolf Hitler auf den Weg nach Kiel. An Bord der „Nixe“, einem Stationstender der deutschen Marine, verfolgt er mit Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten und einigen Marineoffizieren die Segelwettbewerbe.  Ausgerechnet an diesem Tag gewinnen der deutsche Segler Peter Bischoff und sein Vorschotmann Hans-Joachim Weise im Starboot „Wannsee“ Gold für Deutschland auf der Kieler Förde.

 

10. August 1936
Radrennfahrer Robert Charpentier gewinnt zwei weitere Goldmedaillen

Nachdem Robert Charpentier mit seinem französischen Team zwei Tage zuvor die 4000m Mannschaftsverfolgung gewonnen hat, begibt er sich um 8 Uhr auf der Nordschleife der Avus an den Start zum 100km Straßenrennen. Über die Avus, die Straße am Postfenn und die Heerstraße geht es am Militärflugplatz Staaken und dem Olympischen Dorf bei Döberitz vorbei Richtung Westen. Die Strecke führt dann südwärts an Priort, Kartzow und Fahrland vorbei und zurück gen Osten über Krampnitz und Groß-Glienicke zur Karolinenhöhe. Über die Heerstraße führt die Strecke wieder zurück zum Ziel an der Avus Nordschleife. Nach über zweieinhalb Stunden siegt Charpentier vor seinem Landsmann Guy Lapébie. Charpentier gewinnt mit Frankreich auch die Mannschaftswertung und ist nun dreifacher Rad-Olympiasieger von Berlin.

 

10. August 1936
Turnwettkämpfe beginnen in der „Dietrich-Eckart-Bühne“ (Waldbühne)

Für die Olympischen Spiele lassen die Nationalsozialisten eine Freilichtbühne nach dem Ideal eines antiken griechischen Theaters errichten. Sie ist Bestandteil des damaligen Reichssportfelds und liegt in einer Biegung der Murellenschlucht am Südende der Fließwiese Ruhleben. Benannt wird sie nach dem der NSDAP nahestehenden und als Märtyrer gefeierten völkischen Publizisten Dietrich Eckart. Heutzutage ist die Freilichtbühne als „Waldbühne“ bekannt. Hier finden unter freiem Himmel vor 20.000 Zuschauern die Wettbewerbe im Geräteturnen statt. Hauptzweck sind aber Aufführungen des olympischen Rahmenprogramms: die Oper „Herakles“ von Georg Friedrich Händel und das Thingspiel „Frankenburger Würfelspiel“ des völkischen Dichters Eberhard Wolfgang Möller.

 

9. August 1936
Massenturnen im Olympiastadion

Am Vorabend der olympischen Turnwettbewerbe findet eine weitere Großeranstaltung statt. Unter dem vielsagenden Titel „45 Minuten deutschen Leibesübungen“ zeigen 4.000 Turnerinnen und Turnern ein Massen-Schauturnen im Olympiastadion.

 

9. August 1936
Koreaner gewinnt für Japan den Marathonlauf

Der Marathonlauf wird um 15 Uhr im Olympiastadion gestartet. Die Strecke führt über das Maifeld zur Heerstraße, die an der Pichelsdorfer Brücke überquert wird. Die nächsten acht Kilometer gehen durch den Grunewald Richtung Süden über Schildhorn und Kaiser-Wilhelm-Turm. Nach rund 12 Kilometern biegen die Läufer auf die AVUS ein, auf der es 10 Kilometer geradeaus geht. Der Wendepunkt liegt an der Nordschleife. Von hieraus geht es auf dem gleichen Kurs zurück. Der argentinische Titelverteidiger von 1932 Juan Carlos Zabala führt bis Kilometer 28 das Feld mit großem Vorsprung an, dann stürzt er und muss aufgeben. Nun übernehmen der für Japan startende Koreaner Son Kitei und der Brite Ernie Harper die Führung. Bei Kilometer 35 zieht Son Kitei davon und gewinnt mit neuem Olympischen Rekord von 2:29:19,2 Std und mehr als zwei Minuten Vorsprung vor dem Briten Ernie Harper und seinem Landsmann Nan Shoryu. Beide Koreaner laufen unter ihren japanischen Namen: Son Kitei heißt eigentlich Sohn Kee-chung und Nan Shoryu heißt Nam Sung-yong. Die koreanische Halbinsel steht seit Anfang des 19. Jahrhunderts unter japanischer Herrschaft: seit 1905 als Protektorat und seit 1910 als Kolonie. So nehmen die beiden Koreaner unter japanischer Flagge am Marathonlauf der Olympischen Spiele von Berlin teil. Sowohl Adolf Hitler in der Ehrenloge als auch die japanischen Reporter sind begeistert über die japanischen Läufer. Die japanischen Radioreporter lassen beide Medaillengewinner über das Mikrofon eine Grußbotschaft nach Japan übermitteln. Als bei der Siegerzeremonie die Flagge Japans gehisst wird, senken Sohn Kee-chung und Nam Sung-yong demonstrativ den Kopf und wenden den Blick ab. 34 Jahre später besucht der südkoreanische Abgeordnete Park Young Rok Berlin und ändert die Inschrift für die Nationalität des Olympiasiegers im Marathonlauf auf der Siegertafel am Olympiastadion: aus „Japan“ macht er „Korea“. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) veranlasst allerdings, den ursprünglichen Zustand der Tafel wieder herzustellen.

 

9. August 1936
Aus für die deutsche Frauen-Sprintstaffel im Finale

Die deutsche 4 × 100-Meter-Staffel der Frauen ist im gestrigen Vorlauf mit 46,4 Sekunden einen neuen Weltrekord gelaufen. Dieser Weltrekord bleibt bis zu den Olympischen Spielen 1952 unantastbar. Die deutschen Damen sind beim heutigen Finale also die großen Favoriten. Sie führen vor dem letzten Wechsel mit acht Metern Vorsprung vor den Vereinigten Staaten. Als Marie Dollinger den Stab an Schlussläuferin Ilse Dörffeldt übergeben will, fällt dieser zu Boden. Die deutsche Staffel ist disqualifiziert und der als sicher geglaubte Olympiasieg für die deutsche Mannschaft geht an die Staffel der Vereinigten Staaten. Nach ihrem Missgeschick bricht Dörffeldt, die nicht beim Einzelrennen über 100 Meter gestartet war, weinend zusammen.

 

9. August 1936
Massenturnen Berliner Schüler auf dem Maifeld

Als Rahmenprogramm der Olympischen Spiele findet ab 14 Uhr auf dem Maifeld eine Großveranstaltung statt. Während 3.400 Berliner Schülerinnen und Schüler singen, zeigen 14.500 Mädchen und Jungen aus Berliner Schulen turnerische Freiübungen. Sie werden flankiert von der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel, die mit ihren Hakenkreuzfahnen aus dem „Schauturnen der Berliner Schulen“ eine nationalsozialistische Großkundgebung machen.

 

8. August 1936
Skandal beim olympischen Fußballturnier

Die Viertelfinalbegegnung zwischen Österreich und Peru wird um 17:30 Uhr auf dem Hertha-Platz angepfiffen. Österreich liegt nach 36 Minuten mit 2:0 in Führung. Die Peruaner gleichen in der Schlussviertelstunde den Rückstand aus und erzwingen eine Verlängerung. Zum Ende der Verlängerung erzielen die Peruaner zwei Tore. Dem offiziellen Spielbericht zufolge rennen peruanische Anhänger auf das Spielfeld und greifen österreichische Spieler an, ein Fan angeblich sogar mit einem Revolver. Ob dies vor oder während der Verlängerung bzw. vor oder nach den beiden peruanischen Toren in der 116. und 119. Spielminute passiert, ist unklar. Woher in Berlin die ganzen peruanischen Fans kommen sollen bleibt ebenso nebulös. Nach dem Spiel legt Österreich Protest gegen die Spielwertung ein. Das FIFA-Schiedsgericht, das nur aus Europäern besteht, gibt dem Protest statt und ordnet ein Wiederholungsspiel ohne Zuschauer an. Die Peruaner akzeptieren die Entscheidung nicht. Sie vermuten Rassismus, weil sie die einzige Fußballmannschaft mit schwarzen Spielern sind. Außerdem vermuten sie eine Mauschelei zugunsten des favorisierten österreichischen Teams. Die Peruaner reisen mit ihrer gesamten Olympiamannschaft unter Protest ab. Das kolumbianische Olympiateam, bestehend aus fünf Sportlern, zeigt sich solidarisch und reist auch ab. Die Olympischen Spiele haben ihren ersten sportpolitischen Skandal.

 

8. August 1936
Glenn Moris („Tarzan“) gewinnt Gold im Zehnkampf

Glenn Morris absolviert in seinem Leben nur drei Zehnkämpfe. Den dritten bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gewinnt er mit dem neuen Weltrekord von 7900 Punkten vor seinen beiden Landsleuten Bob Clark und Jack Parker. Danach hört er mit dem Sport auf und ist zwei Jahre lang als Schauspieler bei der 20th Century Fox unter Vertrag. 1938 spielt er die Hauptrolle in „Tarzan’s Revenge“ – zusammen mit der Schwimmolympiasiegerin von 1932 Eleanor Holm.

 

7. August 1936
Bahnradfahrer Toni Merkens wird Olympiasieger im 1000-Meter-Sprint

Die Rennen im Bahnradsport finden auf der provisorischen Radrennbahn nördlich der Avus statt. Die Bahn existiert nur zwei Monate lang auf dem Sportplatz des Berliner Sport-Clubs. Nach den Olympischen Spielen wird die Anlage für die Erweiterung des Messegeländes abgerissen. Im sogenannnten „Fliegerrenen“, dem Sprint über 1.000 Meter, gewinnt der Kölner Toni Merkens Gold. Merkens siegt in beiden Finalläufen gegen den Niederländer Arie van Vliet. Allerdings legt das niederländische Team protest gegen die Wertung des ersten Laufs ein, weil Merkens van Vliet behindert haben soll. Die Jury entscheidet, dass der Lauf gewertet wird, aber Merkens wegen Verlassens der Fahrlinie eine Geldstrafe von 100 Goldfranken bezahlen müsse – ein einzigartiger Fall in der olympischen Geschichte.

 

7. August 1936
Deutschland scheidet aus dem Fußballturnier aus

Beim olympischen Fußballturnier zählt die deutsche Mannschaft zu den Favoriten. Im Achtelfinale hat sie Luxemburg mit 9:0 aus dem Turnier geworfen. Heute geht es gegen Außenseiter Norwegen um den Einzug ins Halbfinale. 50.000 Zuschauer sind ins Poststadion nach Moabit gekommen. Als das Spiel um 17.30 Uhr angepfiffen wird haben auch Adolf Hitler, Rudolf Heß und andere NS-Prominente in der Ehrenloge Platz genommen. Sie wollen dabei sein beim erwarteten großen deutschen Sieg. Aber es kommt ganz anders. Bereits in der 7. Spielminute bringt Isaksen die Norweger in Führung. In der 83. Minute besiegelt erneut ein Tor von Isaksen das Ausscheiden der deutschen Nationalelf. Hitler ist außer sich vor Wut. Schuld hat wie immer der Trainer, obwohl Reichstrainer Otto Nerz nur auf Anweisung des Fachamtsleiters Felix Linnemann, die Leistungsträger geschont hat. Nerz wird beurlaubt und Sepp Herberger übernimmt das Amt des Reichstrainers.

 

7. August 1936
Staffellauf bringt olympisches Feuer nach Grünau

Mit einem Staffellauf der Berliner Sportjugend wird die olympische Flamme vom Olympiastadion in Charlottenburg durch Berlin zum Austragungsort der Ruder- und Kanuwettbewerbe nach Grünau getragen. Auf dem Festplatz vor der Bismarckwarte in den Köpenicker Müggelbergen wird das olympische Feuer entzündet. Formationen der Hitlerjugend (HJ) und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) machen aus der Zeremonie eine nationalsozialistische Kundgebung.

 

6. August 1936
Gerhard Stöck besiegt die finnischen Speerwerfer

Im Speerwerfen der Männer gelten die drei finnischen Teilnehmer als haushohe Favoriten. Titelverteidiger Matti Järvinen, der seit 1930 zehn Mal den Weltrekord verbessern hat, laboriert allerdings an einer Rückenverletzung, die er sich kurz vor den Spielen zugezogen hat. Im Finale überrascht der Deutsche Gerhard Stöck, der vier Tage zuvor die Bronzemedaille im Kugelstoßen gewonnen hat. Im vorletzten Versuch wirft er den Speer auf 71,84 Meter und arbeitet sich von Platz 5 an die Spitze der Konkurrenz.  Stöck profitiert davon, die Windbedingungen richtig eingeschätzt und den Speer flach abgeworfen zu haben. Er siegt überraschend vor den beiden Finnen Yrjö Nikkanen und Kalervo Toivonen, Matti Järvinen wird nur Fünfter.  Stöck schafft damit den ersten deutschen Medaillengewinn für Deutschland im Speerwurf. Nach seinem Olympiasieg erhalten die Schüler der Goetheschule in Berlin-Wilmersdorf, wo er als Studienreferendar arbeitet, einen Tag schulfrei. Ein paar Tage später bereiten sie ihrem Olympiasieger einen begeisterten Empfang.

 

6. August 1936
Fotofinish beim 80-Meter-Hürdenlauf der Frauen

Im Finale des 80-Meter-Hürdenlaufs der Frauen kommen fünf Läuferinnen fast zeitgleich ins Ziel. Erst die Auswertung des Zielfotos, bei dem bis zur Tausendstelsekunde gemessen wird, gibt Aufschluss über die Platzierungen. Olympiasiegerin wird die Italienerin Trebisonda Valla vor der Deutschen Anni Steuer, der Kanadierin Elizabeth Taylor und der Italienerin Claudia Testoni. Alle vier laufen offiziell 11,7 Sekunden.

 

6. August 1936
Erster Olympiasieger aus Neuseeland

Der ganz in schwarz gekleidete Jack Lovelock (467) gewinnt das erste Olympiagold für Neuseeland. Im 1500-Meter-Lauf siegt er spektakulär in neuer Weltrekordzeit von 3:47,8 Minuten vor dem US-Amerikaner Glenn Cunningham (467).

 

5. August 1936
Fünf Stunden Finale im Stabhochsprung

Bei der Qualifikation für das Finale im Stabhochsprung schaffen vormittags 25 der 30 angetretenen Stabhochspringer die Qualifikationshöhe von 3,80 Meter. Sie kämpfen nachmittags und abends fünf Stunden lang im Finale um die Medaillen. Der Wettkampf beginnt um 16 Uhr und endet um 21 Uhr, zwischen 18:15 Uhr und 18:35 Uhr muss er wegen Regens unterbrochen werden. Um 18 Uhr sind noch 16 Springer bei der Höhe von 4,00 Metern dabei, ab 20 Uhr springen drei US-Amerikaner und zwei Japaner nach übersprungenen 4,15 Meter unter Flutlicht weiter. Davon schaffen vier Stabhochspringer, die US-Amerikaner Earle Meadows und William Sefton und die Japaner Oe Sueo und Nishida Shuhei auch die 4,25 Meter. Meadows kommt als einziger über 4,35 m und gewinnt Gold. Die drei übrigen Springer müssen nun im Stechen 4,15 m überwinden. Sefton schafft diese Höhe nicht und verfehlt eine Medaille. Die japanischen Stabhochspringer erreichen in dem mittlerweile fünf Stunden dauernden Wettkampf jeweils die Sprunghöhe von 4,25 m. Als es um 21 Uhr dunkel wird, hat keiner von beiden eine weitere Verbesserung erreichen können, deshalb bricht die Wettkampfleitung ab. Sie überlässt dem japanischen Team die Entscheidung über die Verteilung der Medaillen. Die japanische Mannschaftsleitung legt sich auf Nishida als Silbermedaillengewinner fest, da er in seinem ersten Versuch 4,25 m überwunden hat. Oe erhält Bronze. Die Siegerehrung kann erst am kommenden Tag stattfinden. Die beiden befreundeten japanischen Sportler sind mit dieser Entscheidung unzufrieden. Zurück in Japan lassen sie ihre Medaillen in je zwei gleiche Hälften teilen und diese als Kombination aus Silber und Bronze wieder aneinanderfügen.

 

5. August 1936
Josef Manger ist der stärkste Mann der Welt

Der Deutsche Josef Manger wird Olympiasieger in der höchsten Gewichtsklasse des Gewichthebens – dem Schwergewicht. Mit 410 kg stellt der gebürtige Bamberger einen neuen Weltrekord im olympischen Dreikampf, bestehend aus dem beidarmigem Drücken, Reißen, Stoßen, auf. Bis 1942 bleibt er in all seinen Wettkämpfen ungeschlagen.

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5. August 1936
Jesse Owens gewinnt über 200 Meter seine dritte Goldmedaille

Das Finale über 200 Meter der Männer findet um 18 Uhr im Olympiastadion bei kühlen 13 Grad Celsius. statt. Der haushohe Favorit und Olympiasieger über 100 Meter, Jesse Owens, läuft auf Bahn 3. Nach 70 Metern hat er das Feld bereits überholt. Nur sein Landsmann Mack Robinson vermag noch kurz zu folgen. Ausgangs der Kurve hat Owens auch ihn abgehängt und siegt mit vier Zehntelsekunden Vorsprung in der neuen Weltrekordzeit von 20,7 Sekunden. Für Jesse Owens ist es die dritte von vier Goldmedaillen, die er in Berlin gewinnen kann.

 

5. August 1936
Helene Mayer gewinnt Silbermedaille im Florettfechten

Helene Mayer ist Ende der 1920er Jahre die erste deutsche Weltklasse-Fechterin. Bereits im Alter von 17 Jahren gewinnt sie bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam die Goldmedaille. Die „blonde He“ wird über Nacht zum gefeierten Star und zum begehrten Motiv von Fotografen. Erst die jüdische Central-Vereins-Zeitung macht publik, dass die als teutonisches Ideal gefeierte Fechterin Tochter eines jüdischen Arztes ist. Mit der Machtübernahme der Nazis wird sie als „Halbjüdin“ bezeichnet, von ihrem Offenbacher Fechtclub ausgeschlossen und geht in die USA. Florettfechten ist die einzige Fechtdisziplin, die für Frauen auf dem olympischen Programm 1936 steht. Um seine vermeintliche Toleranz zu verdeutlichen und einem drohenende US-amerikanischen Boykott der Olympischen Spiele 1936 zu begegnen, befürwortet das NS-Regime Mayers Teilnahme an den Spielen. Helene Mayer sieht dies als Chance und Herausforderung, die sie als Sportlerin unbedingt wahrnehmen möchte. Mit ihrer Zusage wird den Befürwortern eines Boykotts ein wichtiges Argument genommen, denn mit Helene Mayer scheint nun eine Jüdin Teil des deutschen Teams zu sein. Sich selbst sieht Mayer allerdings in keiner Weise als Jüdin. Ihr sind diese Rolle und vor allem die kontroverse Berichterstattung in der Presse über ihre Person höchst unangenehm. Bei den olympischen Fechtwettkämpfen in Berlin gewinnt Helene Mayer die Silbermedaille. Die Finalkämpfe finden im Kuppelsaal im Haus des Deutschen Sports statt. Denkbar knapp verfehlt sie den Sieg in einem dramatischen Match gegen die Ungarin Ilona Schacherer-Elek, die Olympiasiegerin wird. Bronze gewinnt die Österreicherin Ellen Preis. Am folgenden Tag findet die Siegerehrung im Olympiastadion statt. Helene Mayer nimmt ihre Silbermedaille auf dem Siegerpodest mit dem Hitlergruß entgegen, was viele Juden im In- und Ausland zutiefst empört.

 

4. August 1936
Jesse Owens und Luz Long: Freundschaft im Weitsprungwettbewerb

Die Qualifikation im Weitsprung der Herren findet morgens um 10:30 Uhr statt. Der erste und der zweite Sprung von Jesse Owens sind ungültig. Der Weltrekordhalter hat noch einen Versuch, um sich für das Halbfinale zu qualifizieren. Der deutsche Weitspringer Luz Long, Europameister und vermeintlich härtester Konkurrent von Owens, geht auf seinen Rivalen zu und gibt ihm Tipps für den Anlauf. Long legt ihm als Orientierungsmarke sein Handtuch neben den Absprungbalken. Owens springt und schafft die Norm locker. „Alles, was ich Long anbieten konnte“, sagt Jesse Owens später, „war meine Freundschaft.“ So geht die Geschichte über die Freundschaft zwischen einem schwarzen US-Amerikaner und einem blonden Deutschen während des olympischen Weitsprungwettkampfes vor den Augen Hitlers am 4. August 1936 im Berliner Olympiastadion. In Wahrheit hat sie so nicht stattgefunden und ist ein Mythos: Owens schafft die Qualifikationsweite bereits im 2. Versuch. Mitte der 1960er Jahre sagt Owens vielsagend: „Das sind die Geschichten, die die Leute hören wollen.“ Die freundschaftliche Verbundenheit gibt es totzdem. Im Finale am späten Nachmittag kommt es dann zum erwarteten Duell zwischen Owens und Long. Mit 8,06 m im letzten Versuch ist Owens der erste Weitspringer, der die 8-Meter-Marke bei Olympischen Spielen überspringen kann und einen olympischen Rekord aufstellt. Long wird mit dem neuen Europarekord von 7,87 Meter Zweiter. Die beiden Sportler beglückwünschen sich gegenseitig zu ihren Leistungen. Hitler, Goebbels, Heß und andere NS-Prominente schäumen derweil in der Ehrenloge vor Wut. Später bekommt Luz Long sogar offiziell Ärger wegen seines allzu freundschaftlichen Umgangs mit „einem Neger“, wie Rudolf Heß es ihm mitteilen lässt.

 

4. August 1936
Helen Stephens und Stanisława Walasiewicz: Rivalinnen im 100-Meter-Sprint

Jesse Owens hat gestern die 100 Meter gewonnen und ist der schnellste Mann der Welt. Aber wer ist die schnellste Frau? Um 16 Uhr findet das Sprintfinale der Frauen im Olympiastadion statt. Tags zuvor war die US-Amerikanerin Helen Stephens im 2. Vorlauf über die 100 Meter 11,4 Sekunden gelaufen. Die Zeit hätte Weltrekord und olympischen Rekord bedeutet, wurde aber wegen zu starken Rückenwindes nicht anerkannt. Im Finale hat Helen Stephens ihre Konkurrentinnen bereits nach 50 Metern weit hinter sich gelassen und siegt bei wiederum zu starkem Rückenwind in 11,5 Sekunden vor Stanisława Walasiewicz. Die Polin war bereits als Baby mit ihren Eltern in die USA emigriert und dort seit Ende der 1920er Jahre unter dem Namen Stella Walsh zur Weltklasse-Sprinterin gereift. Ihr wird die US-amerikanische Staatsbürgerschaft bis 1947 verwehrt, so dass sie die Goldmedaille in Los Angeles 1932 und die Silbermedaille in Berlin für ihr Geburtsland Polen erläuft. 1980 wird sie als Passantin bei einem bewaffneten Raubüberfall in Cleveland erschossen. Bei ihrer Obduktion stellt man aufgrund ihrer männlichen Geschlechtsorgane fest, dass Walsh intersexuell war. Ironie der Geschichte: Ein polnischer Journalist hat in den 1930er Jahren ihre schärfste Rivalin Helen Stephens verdächtigt, insgeheim ein Mann zu sein. Nach der Siegerehrung will Adolf Hitler der 18-jährigen Olympiasiegerin Stephens unbedingt persönlich gratulieren und lädt sie in seine Loge ein. Verschiedene Quellen berichten von einem Angebot zu einem Abendessen seinerseits, das Helen Stephens aber ablehnt.

 

3. August 1936
Eröffnung der Segelwettkämpfe auf der Kieler Förde

Am späten Abend des 3. August 1936 werden die Olympischen Segelwettbewerbe in Kiel am Hindenburgufer eröffnet. Tags zuvor war eine Fackel im Berliner Olympiastadion am olympischen Feuer entzündet worden. Mit einem Staffellauf wird die olympische Flamme nun nach Kiel getragen. Die gesamte Förde ist von Lichtern übersät. Ruderer, Paddler und Kanuten liegen mit Lampions geschmückten Booten auf dem Wasser. Kriegsschiffe erleuchten mit ihren Scheinwerfern die Nacht. Tausende Kieler und Gäste beobachten trotz stürmischen und regnerischen Wetters die Eröffnungsfeier. Über die Bellevuebrücke läuft Peter Handohm als letzter Staffelläufer zu einem Kutter und übergibt das olympische Feuer der Besatzung, die es zur Olympia-Kogge hinüberbringt. Die Kogge ist ein Nachbau einer Hansekogge. In ihrem Mastkorb wird das olympische Feuer entfacht. In der Nacht bricht ein Sturm los, der die Kogge mit dem olympischen Feuer zum Kentern bringt. Sie wird am kommenden Tag wieder aufgerichtet und das Feuer neu entzündet. Die Segelregatten können am 4. August beginnen – wenn auch mit Verspätung.

 

3. August 1936
Jesse Owens gewinnt über 100 Meter seine erste Goldmedaille

Nach den gestrigen Vor- und Zwischenläufen sowie dem heutigen Halbfinale steht um 17 Uhr das mit Spannung erwartete Sprintfinale der Männer auf dem Programm. Drei US-Amerikaner laufen gegen drei Europäer um die Medaillen über 100 Meter. Jesse Owens gilt als haushoher Favorit. Nach 50 Metern liegt Owens bereits weit in Führung. Plötzlich kommt sein Landsmann Ralph Metcalfe näher und liefert sich mit Owens einen spannenden Endspurt. Nach 10,3 Sekunden überquert Jesse Owens die Ziellinie, Metcalfe und der Niederländer Martinus Osendarp folgen jeweils eine Zehntelsekunde später. Der deutsche Erich Borchmeyer wird Fünfter in 10,5 Sekunden, Lennard Strandberg aus Schweden Letzter. Im weiten Rund des Olympiastadions brandet Jubel auf und „Jesse, Jesse“-Rufe werden laut. Pressefotografen und Kameramänner reißen sich um die besten Bilder des schnellsten Manns der Welt.

 

3. August 1936
Doppelerfolg für deutsche Hammerwerfer

17 Athleten kämpfen ab 15 Uhr im Hammerwerfen um die Medaillen. Zwei deutsche Athleten feiern einen Doppelerfolg. Im letzten Versuch schleudert der Hamburger Karl Hein den Hammer auf die olympische Rekordweite von 56,49 m – und damit fast anderthalb Meter weiter als sein Mannschaftskamerad, der Ostpreuße Erwin Blask.

 

2. August 1936
Berliner Polizist gewinnt Gold im Kugelstoßen

Um 17:30 Uhr beginnt im Olympiastadion auch das Finale im Kugelstoßen der Männer, dessen Verlauf im Olympia-Film von Leni Riefenstahl dargestellt wird. In seinem fünften Versuch stößt Hans Woellke die Kugel auf die Siegesweite von 16,20 Meter, die zugleich neuen olympischen Rekord bedeutet. Damit ist Woellke der erste deutsche männliche Olympiasieger in der Leichtathletik überhaupt. Für seinen Olympiasieg wird der Berliner Polizist vom Revieroberwachtmeister zum Polizeileutnant befördert.

 

2. August 1936
Dreifachtriumph für finnische Langstreckenläufer

Bei angenehmen Temperaturen von 20 Grad Celsius und leicht bedecktem Himmel startet um 17:30 Uhr das Finale über 10.000 Meter. Die drei finnischen Läufer gehen gleich nach dem Start in Führung und kontrollieren das Geschehen. Nur der Japaner Kohei Murakoso kann bis zur vorletzten Runde mithalten. Dann machen die drei Finnen das Rennen unter sich aus und feiern am Ende einen Dreifachtriumph:  Ilmari Salminen gewinnt vor Arvo Askola und Volmari Iso-Hollo.

 

2. August 1936
Erste Goldmedaille für Deutschland im Speerwurf der Frauen

Um 15 Uhr beginnt im Olympiastadion das Speerwerfen der Frauen. Die 24-jährige Tilly Fleischer, Tochter eines Frankfurter Metzgers, gewinnt mit der olympischen Rekordweite von 45,18 Meter die erste Goldmedaille für Deutschland. Zweite wird die Dresdenerin Luise Krüger vor der Polin Maria Kwaśniewska. Nach der Siegerehrung bittet Hitler die drei Medaillengewinnerinnen zum Fototermin in seine Loge, wo sich Hitler, Göring und Reichssportführer von Tschammer und Osten mit der Olympiasiegerin schmücken.

 

2. August 1936
Parade und Ehrenwache der Kriegsmarine in Berlin

Am ersten Sonntag der Olympischen Spiele zieht in Berlin eine Parade der Kriegsmarine vom Brandenburger Tor über die mit Hakenkreuzfahnen und den olympischen Ringen geschmückte Straße Unter den Linden. Vor dem Ehrenmal der Preußischen Staatsregierung (heute Neue Wache) ziehen Marinesoldaten zur Ehrenwache auf. Dieses militärische Zermoniell findet während der Spiele nun täglich statt.

 

1. August 1936
Festspiel „Olympische Jugend“ im Olympiastadion

Am späten Abend des Eröffnungstages wird im Olympiastadion das Festspiel „Olympische Jugend“ von Werner Egk und Carl Orff aufgeführt. Mehr als 10.000 Jungen und Mädchen sowie Männer und Frauen wirken dabei mit. Die Künstlerinnen Mary Wigman und Gret Palucca sind nicht nur als Tänzerinnen dabei, sondern haben auch die Choreografie erarbeitet.

 

1. August 1936
Hitler eröffnet die Olympischen Spiele

Um 17:15 Uhr erklärt Hitler die Spiele für eröffnet und die Olympische Fahne wird gehisst. Am Südwall nahe des Marathontors werden 30.000 Tauben als Zeichen des Friedens freigelassen. Wenige Minuten später empfängt Hitler Spyridon Louis. Der inzwischen 63-jährige Olympiasieger im Marathonlauf der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit von 1896 in Athen überreicht Hitler einen Ölzweig aus Olympia. Um 17:45 Uhr spricht der deutsche Gewichtheber Rudolf Ismayr stellvertretend für alle Sportler den olympischen Eid und greift mit dem Hitlergruß die Hakenkreuzfahne – statt der olympischen Flagge mit den fünf Ringen. Gegen 18 Uhr verlässt Hitler das Olympiastadion. Die Eröffnungsfeier ist damit offiziell beendet und wird als voller Propagandaerfolg für das NS-Regime verbucht.

 

1. August 1936
Fritz Schilgen entzündet olympisches Feuer

Als letzter Fackelläufer betritt Fritz Schilgen das Olympiastadion. Er gehörte nicht zur Olympiamannschaft, sondern wurde von Leni Riefenstahl wegen seines athletischen Körpers für diese Rolle vorgeschlagen. Mit der Fackel in der Hand läuft er die Stufen vom Olympischen Tor hinunter. Nach einer Ehrenrunde im Stadion läuft Fritz Schilgen die Treppe über dem Marathontor hoch und entzündet dort gegen 17 Uhr mit seiner Fackel die olympische Flamme.

 

1. August 1936
Einmarsch der Nationen

Um 16:15 Uhr werden die Flaggen der 49 teilnehmenden Nationen an den Fahnenmasten im Stadion hochgezogen und es beginnt der Einmarsch der Nationen. Den Anfang macht die griechische Mannschaft, am Ende marschieren das US-amerikanische Team gefolgt von der deutschen Olympiamannschaft ein.

 

1. August 1936
Ankunft von
Hitler im Olympiastadion

Um Punkt 16 Uhr erreicht die nationalsozialistische Propagandainszenierung das Olympiastadion in Gestalt von Adolf Hitler. Er schreitet in Begleitung von Mitgliedern des Internationalen Komitees, des Organisationskomitees sowie der Reichsregierung und Wehrmacht über die Treppe des Marathontors ins Olympiastadion. Über die Laufbahn des Stadion marschiert Hitler mit Gefolge zu seiner Ehrenloge.

 

1. August 1936
Hitler auf dem Weg zur Eröffnungsfeier

Gegen 15:20 Uhr verlässt Adolf Hitler die Reichskanzlei, um im offenen Mercedes zur Eröffnungsfeier im Olympiastadion zu fahren. Hunderttausende stehen Spalier auf der rund 11 Kilometer langen Strecke und jubeln dem Führer zu. Am Reichssportfeld angekommen, marschiert Hitler auf dem Maifeld an einer Ehrenformation von Sportlern aller Nationen vorbei zum Stadion, wo die Standarte des Führers gehisst wird.

 

1. August 1936
Zeppelin „Hindenburg“ über dem Olympiastadion

Nur wenige Monate nach der Jungfernfahrt wird das Luftschiff LZ-129 „Hindenburg“ erneut für Propagandazwecke eingesetzt. Von Frankfurt kommend fliegt die „Hindenburg“ vor und während der Eröffnungsfeier über das voll besetzte Olympiastadion und zieht die olympische Flagge an einem langen Seil befestigt über die Zuschauerränge.

 

1. August 1936
HJ, BdM und SA empfangen Fackelläufer im Berliner Lustgarten

Um 12 Uhr beginnt im Berliner Lustgarten die Großkundgebung der Hitlerjugend, die sogenannte „Feierstunde der Jugend“ zum Auftakt der Sommerspiele. Fast 30.000 Jungen der HJ und Mädchen des BdM stehen in Reih und Glied stramm, dazu fast 40.000 SA-Männer. Um 5 vor 12 ist Siegfried Eifrig, ein 400-Meter-Läufer des SC Charlottenburg, als vorerst letzter Fackelläufer losgelaufen, um die Fackel zum Lustgarten zu bringen. Bei leichtem Nieselregen laufen er und seine Begleiter den Mittelstreifen Unter den Linden entlang. Sie halten eine Gedenkminute vor der Neuen Wache, damals Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriege. 120.000 Menschen säumen die Straße bis zum Lustgarten.  Zehn Meter vor der Treppe des Alten Museums, auf der Rudolf Heß, Joseph Goebbels und Reichssportführer von Tschammer und Osten auf einer Tribüne stehen, entzündet Eifrig den Feueraltar. Anschließend läuft er zum Stadtschloss und entzündet dort eine zweite Flamme auf dem sogenannten „Fahnenaltar der Nationen“. Die nationalsozialistische Inszenierung der Eröffnungsfeierlichkeiten hat begonnen.

 

31. Juli 1936
Kanu-Sternfahrt in Berlin

Am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele findet in Berlin eine internationale Kanu-Sternfahrt zum Zeltlager Müggelsee statt. Besonderes Gedränge herrscht in Mitte vor dem Stadtschloss und in der Mühlendammschleuse.

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31. Juli 1936
Ankunft des olympischen Feuers im Deutschen Reich

Um 11:30 Uhr erreicht der olympische Fackellauf die tschechoslowakisch-deutsche Grenze. Ein tschechoslowakischer Läufer über gibt die Staffel an einen deutschen Fackelläufer. Nahe dem sächsischen Grenzort Hellendorf inszeniert das deutsche NOK auf einer Waldlichtung eine Zeremonie mit SA-Formationen, die mit zahlreichen Hakenkreuzfahnen und dem Horst-Wessel-Lied die olympische Flamme auf einem sogenannten „Opferaltar“ entzünden. Nach der einstündigen Propaganda-Zeremonie wird der Fackellauf Richtung Dresden fortgesetzt, wo am Neustädter Königsufer das Entzünden der olympischen Flamme auf einem Altar ein weiteres Mal nationalsozialistisch auf einer Großkundgebung zelebriert ist.

 

30. Juli 1936
Empfang für die In- und Auslandspresse

Joseph Goebbels hat die In- und Auslandspresse anlässliche der bevorstehenden Olympischen Spiele zum abendlichen Empfang eingeladen. Statt in der Krolloper begrüßt der Propagandaminister die Journalisten und andere geladene Gäste im Marmorsaal des Zoologischen Gartens.

 

30. Juli 1936
Einzug der deutschen Olympioniken ins Olympische Dorf

Mit rund 275 Sportlern – ohne die weiblichen Athleten, Reiter, Boxer und verschiedene Leichtathleten – zieht die deutsche Olympiamannschaft in Reih und Glied angeführt vom Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten ins Olympische Dorf ein.

29. Juli 1936
IOC-Festakt im Pergamonmuseum

Reichsinnenminister Wilhelm Frick hat am Abend zu einem Festakt im Pergamonmuseum eingeladen. Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees und des Organisationskomitees der Spiele sowie Vertreter nationaler und internationaler Sportverbände und das diplomatische Korps feiern bis in die Nacht vor antiker Kulisse auf der Berliner Museumsinsel.

 

29. Juli 1936
IOC-Sitzung in der Friedrich-Wilhelms-Universität

Rudolf Heß, offiziell Minister ohne Geschäftsbereich und Stellvertreter des Führer, eröffnet die Festsitzung des Internationalen Olympischen Komitees in der Aula der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität). Neben den IOC-Mitgliedern sind als Vertreter der Reichsregierung Reichsinnenminister Wilhelm Frick, Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten und Staatskommissar Julius Lippert anwesend. OK-Präsident Theodor Lewald und IOC-Präsident Henri Graf de Baillet-Latour sitzen neben den NS-Führern in der ersten Reihe.

 

28. Juli 1936
Olympia-Zeremonie in Budapest wird zur Heldengedenkfeier

Auf dem Weg vom antiken Olympia nach Berlin erreicht das olympische Feuer am Abend Budapest. Bei einem nächtlichen Zeremoniell vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten auf dem Heldenplatz wird den Gefallenen gedacht. Ein Vertreter des Ungarischen Frontkämpferverbandes entzündet schließlich die Flamme auf dem Olympia-Altar. Die olympische Zeremonie wird zur „Heldengedenkfeier“ umfunktioniert

 

28. Juli 1936
Eröffnung der unterirdischen S-Bahn-Strecke Stettiner Bahnhof – Unter den Linden

Pünktlich vor Beginn der Olympischen Spiele eröffnet die Reichsbahndirektion Berlin das unterirdische S-Bahn-Teilstück der Nord-Süd-Bahn zwischen Stettiner Bahnhof (Nordbahnhof) und Unter den Linden. Damit ergeben sich am Bahnhof Friedrichstraße für den nördlichen Vorortverkehr neue Umsteigemöglichkeiten.

 

27. Juli 1936
Riefenstahls Kamera-Ballon macht sich selbständig

Ein Ballon der Olympia-Filmgesellschaft, an dem eine selbsttätige Filmkamera in die Luft gehoben werden soll, wird am Reichssportfeld startklar gemacht. Die automatische Kamera am Gasballon soll totale Aufsichten von oben für Leni Riefenstahls Olympia-Filme produzieren. Aufgrund des regnerischen und stürmischen Wetters macht er sich los und gerät außer Sicht.

27. Juli 1936
Schwimmdiva Eleanor Holm aus US-Olympiateam ausgeschlossen

Eleanor Holm Whalen ist nicht nur die weltbeste Rückenschwimmerin der 1930er Jahre sondern auch ein Glamourgirl des US-amerikanischen Sports. Als Olympiasiegerin von 1932 über 100-Meter-Rücken reist Holm mit knapp 400 anderen amerikanischen Sportlern auf der  „SS Manhattan“ von New York nach Hamburg. Das Amerikanische Olympische Komitee (AOC) hat für die Sportler die unteren Decks reserviert, aber die lebenslustige Schwimmdiva verbringt lieber champagnergetränkte Abende mit den Journalisten auf dem Oberdeck. Nach einer durchzechten Nacht wird sie vom amerikanischen Teamarzt vollkommen alkoholisiert  aufgefunden. Daraufhin schließt AOC-Chef Avery Brundage die Schwimmerin vom Olympiateam aus. Am 27. Juli 1936 weist Propagandaminister Goebbels die deutsche Presse an, nichts über „interne Vorgänge innerhalb der amerikanischen Mannschaft“ zu berichten. Goebbels braucht saubere, skandalfreie Spiele. Eleanor Holm berichtet dann für den Hearst-Medienkonzern von den Olympischen Spielen in Berlin.  Über die Siegerin „ihres“ 100-Meter-Rücken-Wettkampfs, die Holländerin Nida Senff, schreibt sie in einer Kolumne: „Deren Zeit hätte ich mit einer Champagnerflasche in der Hand geschwommen.“ 1938 spielt Eleanor Holm an der Seite des Zehnkampf-Olympiasiegers von Berlin, Glenn Morris, im Spielfilm „Tarzans Rache“ die weibliche Hauptrolle. Der Film floppt und beendet die kurze Filmkarriere der beiden ehemaligen Top-Sportler.

 

26. Juli 1936
Letzter vor-olympischer
Sonntagsspaziergang Unter den Linden

Hunderttausende Berliner und Touristen nutzen das letzte vorolympische Wochenende zum Spaziergang auf der Prachtstraße Unter den Linden, die zur „Via triumphalis“ umgestaltet worden ist. Meterhohe gestreifte Aluminium-Fahnenmasten mit Hakenkreuzfahnen und Stadtwappen aus dem Deutschen Reich stehen vom Brandenburger Tor bis zum Stadtschloss und Roten Rathaus in Reih und Glied.

 

25. Juli 1936
Auto-Lotsenstation in Berlin-Tempelhof eröffnet

An vielen Berliner Ein- und Ausfallstraßen sind in den vergangenen Tagen sogenannte „Auto-Lotsen-Stationen“ in Betrieb genommen worden. Uniformierte Lotsen helfen motorisierten in- und ausländischen Olympiagästen und weisen ihnen den Weg zum Reichssportfeld, zu anderen Olympia-Wettkampfstätten sowie zu den Hotels in der Innenstadt. Die Lotsenstation in Tempelhof an der Berliner Straße (Tempelhofer Damm seit 1949) Ecke Dorfstraße (Alt-Tempelhof seit 1949) ist heute eröffnet worden.

 

24. Juli 1936
US-Olympiateam in Berlin eingetroffen

Etwa 400 US-amerikanische Olympiateilnehmer treffen gegen 15 Uhr mit einem Sonderzug aus Hamburg auf dem Lehrter Bahnhof ein. Während der Weiterfahrt mit Bussen zum olympischen Dorf werden die Sportler von den Berlinern enthusiastisch begrüßt und gefeiert. Der Präsident des Olympischen Komitees der USA, Avery Brundage, leitet die Delegation und wird mit der Olympiaplakette Berlins ausgezeichnet. Er hat sich maßgeblich gegen einen Boykott der Spiele eingesetzt. Von 1952 bis 1972 leitet er als Präsident das Internationale Olympische Komitee (IOC).

 

23. Juli 1936
Internationales Sportstudentenlager in Berlin eröffnet

Bernhard Rust, Reichsminister für Wirtschaft, Erziehung und Volksbildung, und Theodor Lewald, Präsident des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele, eröffnen das internationale Sportstudentenlager. 1000 Studenten aus 34 verschiedenen Staaten sind zu den Spielen eingeladen und werden im internationalen Sportstudentenlager auf dem Gelände des Hochschulinstituts für Leibesübungen an der Avus in Berlin untergebracht.

22. Juli 1936
Charles Lindbergh trifft zum Berlin-Besuch ein

Charles Lindbergh landet auf dem Militärflughafen in Berlin-Staaken und wird dort vom US-amerikanischen Militärattaché Truman Smith empfangen. Lindbergh ist mit Ehefrau Anne Morrow auf Einladung von Hermann Göring, dem  Reichsminister der Luftfahrt und General der Flieger, zu Besuch in Berlin. Der US-amerikanische Flieger hatte 1927 als erster im Alleinflug den Atlantik nonstop von New York nach Paris überquert. In den Folgetagen trägt sich Lindbergh in das Goldene Buch der Stadt Berlin ein und erhält aus den Händen von Julius Lippert, dem Staatskommissar für Berlin, die Olympiaplakette. Außerdem darf er vom Flughafen Tempelhof aus eine Ju-52 fliegen und besucht später das neue Olympiagelände, das Reichssportfeld. Bei einem Empfang zu Hause bei Göring in Carinhall erhält Lindbergh von ihm persönlich das Ehrenschwert der deutschen Luftwaffe überreicht.

 

22. Juli 1936
Olympischer Fackellauf macht in Delphi Station

An Tag 3 des olympischen Fackellaufs erreicht das olympische Feuer Delphi, Ort des Orakels. Im Stadion von Delphi, dem Austragungsort der antiken pythischen Spiele, wird auf einem Olympia-Altar eine Flamme entzündet. In einer Zeremonie tanzen Evzonen, Angehörige der königlich-griechischen Leibgarde, um den Altar.

21. Juli 1936
Fahnenschmuck in Berlin-Kreuzberg

Seit heute wehen die Fahnen der 49 teilnehmenden Nationen am Askanischen Platz vor der Südfassade des Anhalter Bahnhofs.

21. Juli 1936
Olympische Flamme erreicht Athen – Weihe auf der Akropolis

Einen Tag nach dem Start des ersten olympischen Fackellaufs der Neuzeit im antiken Olympia wird Athen erreicht. Auf dem Weg zur Akropolis wird das olympische Feuer durch ein Spalier von Fahnen getragen, die von Evzonen, Angehörigen der königlich-griechischen Leibarde, gehalten werden. Vor dem Parthenon-Tempel weiht ein Priester das aus dem Olympiahain geholte Feuer. Dann geht es weiter Richtung Westen nach Delphi.

 

20. Juli 1936
Streckenverlauf des olympischen Fackellaufs wird in Berlin vorgestellt

Nachdem im heiligen Hain von Olympia das olympische Feuer entzündet worden ist und die ersten von 3331 Fackelläufern auf der Strecke sind, gibt es vor dem Roten Rathaus in Berlin einen Pressetermin. Dort stellen die Organisatoren den Streckenverlauf des ersten olympischen Fackellaufs der Neuzeit vor. Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskomitees (OK) der Olympischen Sommerspiele in Berlin und Initiator des olympischen Fackellaufs, Theodor Lewald, Präsident des OK sowie Julius Lippert, Staatskommissar für Berlin und Preußischer Staatsrat, sind anwesend.

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20. Juli 1936
Olympisches Feuer im antiken Olympia entzündet – Fackellauf gestartet

Nach einer Idee von Alfred Schiff und Carl Diem wird der erste olympische Fackellauf bei den Sommerspielen 1936 in Berlin auf Anweisung Joseph Goebbels’ von den Nationalsozialisten veranstaltet. Das olympische Feuer wird am 20. Juli 1936 im antiken Olympia mit einem Hohlspiegel entzündet. Der Grieche Konstantin Kondylis macht um 12 Uhr den Auftakt zu der 3.187 Kilometer langen Strecke durch sieben Länder (Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn, Tschechoslowakei, Österreich und Deutschland). 3.330 Läufer folgen ihm und tragen die olympische Flamme von Griechenland nach Berlin.

 

 

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